SS 2007 Thema Podcasting
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Frage
Die RFH möchte ihren Studenten die Möglichkeit geben ihre Vorlesungen besser nachzuarbeiten. Welchen medialen Kanal empfehlen Sie? Und wie könnte eine Umsetzung aussehen?
Wir empfehlen das Podcasting.
Begriffserklärung
Podcasting ist eine Wortzusammensetzung aus "i-Pod" und "broadcasting". Es ist eine der wichtigsten Web 2.0 Anwendungen und bezeichnet das Produzieren von Audio- oder Videodateien, welche über das Internet verbreitet werden. Jeder hat so die Möglichkeit sich im Internet zu präsentieren (User-generated Content = "Mitmach-Web") und alle Internetnutzer haben die Möglichkeit sich Podcasts runter zu laden. Zu einem Podcast gehört ein RSS-Feed 2.0. Dieser RSS-Feed gibt den Namen und den Speicherort eines Podcasts an. Als Abspielmedium reicht ein gewöhnlicher PC aus. Darüberhinaus können herunter geladene Beiträge auf einen Podcast-fähigen Mp3-Player (z.B. einen Apple i-Pod) überspielt und somit zu einem beliebigen Zeitpunkt konsumiert werden. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass der Beitrag eine Länge von rund 15 Minuten nicht überschreitet, da der User Infos kurz und knapp haben möchte und ab einer gewissen Zeit nicht mehr konzentriert zuhört oder zuschaut. Ein Podcast ist kein Hörbuch sondern ein auditiver Kommentar, der bissig und knackig formuliert werden sollte. Die Länge kann jedoch vom Inhalt und Thema abhängig dementsprechend variieren. Hinzu kommt, dass die Ladezeiten sonst zu lang werden. Apple war in der Vergangenheit auch einer der größten Pusher in der Podcast-Szene. Über das Musikportal Itunes haben die Entwickler zusätzlich die Möglichkeit integriert Podcasts zu abonnieren. Diese Podcasts können von Usern aus aller Welt integriert werden. Weitere Erfolgstreiber sind z.B. die Ubiquität (die Allgegenwart von MP3-Playern), die Konnektivität (überall erreichbar zu sein), der Trend zur Mediensouveränität (Konsument will mitbestimmen) und der Trend zum Hörbuch. Podcasts sind also eine Art Fernseh- oder Radiobeitrag, die nicht an eine bestimmte Zeit der Ausstrahlung gebunden sind. Der User entscheidet wann und wo er die Inhalte konsumieren möchte. Der User ist mobil. Wie bei fast allen web 2.0 Anwendungen ist auch beim Podcasting zu beobachten, dass kaum jemand für Podcasts zahlen würde. Werbung hingegen wird allgemein akzeptiert.
Umsetzungsvorschlag
Die Vorlesungen an der RFH werden per Videokamera oder alternativ nur mit Mikrofon aufgezeichnet. Dieses kann mit Hilfe eines Computers mit Soundkarte und Mikrofon bzw. Headset, mit einem mp3-Recorder oder einer Standard-Videokamera geschehen. Die Beiträge könnten dann im internen Bereich der RFH-Page in Form von Audio- oder Videodateien hochgeladen werden. Es empfehlen sich jedoch gekürzte Fassungen der Vorlesungen, da den Studenten bei der Nachbearbeitung vor allem die "wichtigsten Fakten" interessieren. Ungekürzte Fassungen enthalten oft zusätzliche Informationen, so dass die Konzentration auf das Wesentliche schwieriger wird. Der Student schaltet irgendwann ab und nutzt das Podcast-Angebot weniger oder gar nicht mehr, da es für ihm zu zeitaufwendig ist. Außerdem bleibt durch das Anbieten von Kurzversionen ein Mehrwert der Vorlesungen erhalten, es empfiehlt sich trotz Podcasts zur Vorlesung zu gehen. Die radikale Kürzung einer Vorlesung von 90 Minuten auf 10 Minuten könnte aber auch problematisch werden, weil man evtl. nicht wichtiges von unwichtigem unterscheidet bzw. die Vorlesungen sowieso schon so kompakt sind, dass es schwer fällt, den wichtigen Content in 10-15 Minuten darzustellen. Die Informationen zu den Podcasts auf der RFH-Homepage werden dann in RSS-Feeds eingepflegt und im Netz gespeichert. Die Studenten können dann diese RSS-Feeds regelmäßig über z.B. Itunes abfragen. Die RSS-Datei gibt dabei jede neue Information an. Je nach Bedarf können diese dann runterladen werden. Außerdem können die Studenten Podcasts ihrer jeweiligen Vorlesung abonnieren. Die Studenten könnten auch den (aufwändigeren) Vodcast produzieren. Ein Vodcast ist ein Symbiont aus Video und Broadcast und im Grunde ein visueller Podcast. Hier wird in kurzer Zeit (bis 10 Minuten) bildlich Stellung zu einem Thema genommen, oder in Form von zusammengeschnittenen Inhalten ein Kurzfilm geboten. Bei beim Podcast kann jedes Thema behandelt und gefilmt werden.
Zusatz
Darüber hinaus sollten die Skripte auf einem zentralen Server der RFH bereit liegen. Mitschriften könnten in Form eines Wikis auf der zentralen Homepage der RFH schon während der Vorlesung eingefügt und später von allen Studenten weiter bearbeitet werden. Somit wäre die Möglichkeit gegeben nicht nur auditiv den Stoff zu verinnerlichen, sondern direkt visuell zu den entsprechenden Themen Material vorliegen zu haben. Dieses würde die unterschiedlichen Lernkompetenzen der Studenten unterstützen.
Fazit
Traditionelle Bildungsformen sollten nicht ganz und gar durch den neuen Trend des E-Learnings verdrängt werden, sondern den Lernprozess lediglich durch digitale Medien unterstützen. Als großer Vorteil ist die Flexibilität, die das Online-Lernen bietet. Schüler und Lehrer sind nicht mehr an Zeit und Ort gebunden. Audio- und Video-Dateien können abstrakte Themen anschaulich machen. Ein diskutiertes Thema ist die Gefahr der sozialen Isolation bei der Einführung virtueller Klassenräume. Gilt die Schule doch als wichtigster Ort soziale Kontakte zu knüpfen. Deshalb sollte eine Kombination aus verschiedenen medialen Vermittlungsformen angestrebt werden, um das Lernen zu optimieren. Das Podcasting bietet eine gute Möglichkeit die Vorlesungen nachzuarbeiten, wie es auch die RFH erwünscht, jedoch soll es diese nicht ersetzen! Eine Nutzung von Podcasts und Vorlesungsnachbearbeitung anhand von Wikis ist bereits Realität. Eine Weiterentwicklung dieser Möglichkeiten in andere Fachbereiche und Vorlesungen hätte darüberhinaus einen positiven Imageeffekt für den Fachbereich Medienwirtschaft der RFH und darüberhinaus auch für die Rheinische Fachhochschule.
Dies ist auch für die Studenten sinnvoll, da man sich so komplexe Themen erneut anhören kann. Die Aufnahme über mehrere Sinnesorgane hilft zudem die Thematik besser zu verstehen und im Gedächtnis zu behalten. Viele Studenten nehmen lange Wege zur Uni auf sich. Der Podcast bietet ihnen die Möglichkeit diese Zeit sinnvoll zu nutzen.
Problematisch könnte der überwiegend männliche Anteil (82%) der Podcasthörer sein. Frauen zeigen hier anscheinend ein nicht so grosses Interesse bzw. Affinität, und müssten an die Podcasts erst heran geführt werden, um ihnen die Vorteile dieser Form des Lernens schmackhaft zu machen.
Kritik
Könnten bei LifePodcast die Studenten verleitet werden die Vorlesung nicht mehr zu besuchen? Dies ist in der Tat der Fall. Allerdings haben sie über den Podcast nicht die Möglichkeit individuelle Fragen zu stellen. Die Vorlesung muss den Studenten einen Mehrwert zum Podcast bieten. Werden zum Beispiel im Unterricht Aufgaben gelöst oder Gruppenarbeiten durchgeführt, so bringt einem die ausschließliche Podcastnutzung recht wenig.

